Geschichte der Adventgemeinde Gechingen    

Erste Kontakte

Im Herbst 1919 wurde unsere Adventgemeinde in Gechingen mit 11 Gliedern durch Pastor Prieser gegründet. Wir hielten unsere Versammlungen im Haus von Familie Wurst, Dorfäckerstraße, ab. Eine Adventistin aus Frankfurt besuchte in den Jahren des Ersten Weltkrieges jeden Herbst für einige Wochen ihre Verwandten (zwei Familien) in Gechingen. Dabei gab sie eifrig Zeugnis von der Adventbotschaft. Bei jedem Besuch wurden beide Familien immer mehr davon überzeugt, dass diese Botschaft die biblische Wahrheit ist. Sie beauftragte eine Bibelarbeiterin, ihren Verwandten in Gechingen Bibelstunden zu geben. Ein weiterer Anstoß kam durch zwei junge Frauen aus Wildbad, die in Gechingen christliches Schrifttum verkauften und ebenfalls bei diesen Familien Eingang fanden. Schon im Januar 1919 wurden die ersten Gechinger getauft. Durch den Zuzug von Adventisten aus Stuttgart konnte man daran denken, eine eigene Gemeinde zu gründen. Gerne denken wir an jene Zeit der ersten Liebe und des Eifers für Gottes Sache zurück. Die Freude, dass der Herr bald kommt, überstrahlte alles mit hellem Licht und gab unserem jungen Leben Ziel und Richtung. Durch eifrige missionarische Bemühungen und den Zuzug weiterer Gemeindeglieder wuchs die kleine Adventgemeinde in den folgenden Jahren.

Während des Dritten Reiches

Während des Zweiten Weltkrieges und der politischen Einflussnahme des Dritten Reiches stagnierte die missionarische Öffentlichkeitsarbeit. Die Brüder im wehrfähigen Alter wurden in den Kriegsdienst eingezogen. Unser Prediger leistete seinen Wehrdienst beim Roten Kreuz. So wurden wir nur noch sporadisch durch ältere Prediger betreut, Gemeindewachstum resultierte  vorwiegend durch Taufen von Jugendlichen aus adventistischen Familien. Hier ist zu bedenken, dass ja alle Jugendlichen unter dem Einfluss des Naziregimes standen. Ein Rundschreiben des Verbandsvorstehers aus dem Jahr 1943 an alle Gemeindeleiter verdeutlichte die Situation: „Versammelt euch im Stillen, singt die Lieder nicht so laut, dass sie von der Straße her nicht gehört werden“. Adventisten wurden durch die Lehre vom Sabbat in die Nähe der Juden gerückt. Der verlorene Krieg und das Ende des Nationalsozialismus gaben den Menschen eine neue Sichtweise. Durch die gewonnene Freiheit in den Nachkriegsjahren wuchs langsam wieder das öffentliche Bekenntnis der Adventbotschaft.

Über geschwisterliche Begegnungen entstand der Gemeindebezirk Wildbad, Calw und Gechingen.

Eigene Kapelle

Einen entscheidenden Meilenstein setzte die Adventgemeinde mit dem Bau ihrer Kapelle in den Jahren 1963 bis 1965. Durch die Aussiedlung von Familie Wurst hatten wir keinen Versammlungsraum mehr. Zwei Jahre lang waren wir Gäste in der Calwer Adventgemeinde. Die Kapelle wurde mit sehr viel Eigenleistung gebaut. Hier zeigte sich besonders das Verantwortungsbewußtsein, die Liebe, Einsatzbereitschaft und Gebefreudigkeit der Mitglieder. Sie freuten sich sehr über ihr neues Zuhause. Die Kapelle wurde am 02.10.1965 eingeweiht. Der Raum im Untergeschoss wurde während des Gottesdienstes zur Kinderbetreuung benutzt, parallel diente der Vorraum für das Jugendbibelgespräch.

 

Der Glaube der Gemeindeglieder wurde vorne im bunten Fenster mit einem großen Kreuz - Sinnbild der Erlösung - zum Ausdruck gebracht. Die sakrale Gestaltung macht die Kapelle zu einer würdigen Anbetungsstätte.

Am 05.01.2011 dann ein Schock: Durch einen Wasserschaden war die ganze Kapelle unter Wasser gesetzt. Nach einem Vierteljahr umfangreicher Renovierungsarbeiten konnten die Mitglieder und Gäste am 02.04.2011 im Rahmen einer "Einweihungsfeier" ihre Räumlichkeiten wieder beziehen.

 

Im Jahr 2016 hat die Gechinger Adventgemeinde circa 30 Mitglieder zuzüglich Kinder.